Mittwoch, 23. Mai 2007

Poetry Slam

Dunkel, erwartungsschwanger. Die aufwändigen, unter den Polo-Shirts noch kaum zu erkennenden, Bierbäuche füllen sich mit billigem Rotwein. Die Bühne karg, doch konform: ein Mikrofon, ein Barhocker, eine Lichtquelle und der von ihr erzeugte Schatten. Dazwischen Rauchschwaden.
Wer sich auf diese Bühne wagt, muss einen Wahnsinn mit sich tragen, der heisst Tod. Wenn ihm ein Licht aufgehen sollte, hat sich dieses konform zu zeigen: es hat Schatten zu erzeugen.

Wo kämen wir hin, wenn aufgehende Lichter zu L I C H T führen würden! Illuminatus, Illuminati, Maskulinum: Der G E B L E N D E T E! Wehe!
Nur Schatten ist Ruhe, Sicherheit, Bequemlichkeit. Nur im Schatten gibt es Schnippen und Klatschen. Jeder versteht Schatten. Schatten ist grauschwarz. Zeig mir den, dem ein grauschwarzes Poloshirt nicht steht.

Sie betritt die Bühne - aufgepasst! Ihro Extrovertiertheit verstehen kann nur, wer erst die introvertierte Person bedenkt. Kontrast ist alles. Die Pause, bevor sie zu lesen beginnt, ist in Wahrheit die Pause danach - aber das hat den Bierbäuchen keiner gesagt.

Deshalb nicken sie auch, als ob sie etwas zu sagen hätten, währenddem sie etwas sagt und ich -
Ich muss eingenickt sein, doch was sie gesagt hat -das ergab sich aus ihrer Erscheinung- war:
Nur ein glücklicher Bürger ist ein guter Bürger -

und nur aus glücklichen Kühen werden gute Burger.

DER ALTE HAFENKÄSE in den Canapés schmeckt leicht ranzig, dafür ist der Rotwein billig (und kosten tut er auch nicht alle Welt). Ich zücke mein schwarzes Notizbüchlein, Marke Moleskine, und meinen schwarzen Caran d'Ache Fixpencil, muss nicht lange blättern, bis ich eine freie Seite finde, und notiere, etwas selbstzufrieden:

Nur ein schattiger Slammer ist ein nachdenklicher Slammer -

und aus traurigen Kühen werden auch nur Burger.

Keine Kommentare: