Freitag, 19. Dezember 2008

Akademisierungsgefahr: Mensa

Achtzehnter Dezember Zweitausendacht, Mensa der Universität Basel, auf der Bühne des düsteren Untergeschosses. Die Grillwurstschnecke spult sich ab, die Penne tauchen aus der Senfsauce auf: Fett schwimmt auf. Nur die Karottenstäbchen bleiben, weil tiefgefroren, auf dem Teller liegen. Am Nebentisch sitzt ein Deutscher Student und deklamiert, die Gabel schwingend: "Sozialismus und Kommunismus f u n k t i o n i e r e n halt nicht, das ist das Problem!" Er fährt im Stil Gymnasiumsschulplatz Subklasse Aschenbecher weiter, viel Wiederholung, sehr viel leere Phrasen, alles schon tausendmal gehört.
Drei Schweizer, um den Franken herum sitzend, himmeln ihn schweigend (und kauend) an. Sagen Sie etwa deshalb nichts, weil sie sich vor seiner Übermacht auf dem Feld der deutschen Sprache ängstigen? Fürchten sie, mit ihrer Sprache nicht so wortgewandt und originell jonglieren zu können, wie es der Deutsche für sie offenbar zu tun scheint?
Ein Tisch weiter, ein Universitätsgangster: "Frauen sind halt so." Was für ein Tollpatsch, immerhin befinden wir uns im Jahr der Geschlechtstheorien-Omnipräsenz. Drum lässt auch die Antwort des Studentengangsterchicks nicht auf sich warten: Ein langgezogenes "WAS?!?!", gepaart mit der Gender-Ignoranz-Bewegung.
Mir bleiben zwei Penne in Senfsauce im Halse stecken und ich beeile mich, die Herrentoilette zu erreichen. Dort angekommen würge ich und würge, habe mein kleines tägliches Erfolgserlebnis, nehme dann einen Bleistift aus der Tasche und kritzle auf den Händetrocknerautomat: "Wer hat Angst vor der Akademisierungsgefahr?"

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