Mittwoch, 27. Januar 2010

Schawinski und die Sprache

Wir sprechen mit Deutschen oft Hochdeutsch. Mit Deutschen sprechen, Nachrichten ablesen und das Halten von Reden gehören seit Schweizergedenken zur Hochdeutschen Seite unserer deutschschweizerischen medialen Diglossie, die es so sonst fast nirgends gibt auf der ganzen Welt. Nun behauptet Roger Schawinski im Schweizer Fernsehen, das sei ein Fehler und wir sollen damit aufhören. Mir persönlich ist das egal, mich interessiert die Sprache nicht primär als Kampfmittel. Aber eins ist sicher: die Mörgelsche „Kriechhaltung“ gegenüber den Deutschen nehmen wir, wenn überhaupt, genau dann ein, wenn wir unsere Eigenheiten aufgeben. Zum Beispiel unsere mediale Diglossie. Wenn wir aufhören damit, mit den Deutschen Hochdeutsch zu sprechen, geben wir etwas auf, was an uns besonders ist - von den Deutschen nämlich sagt man, dass sie gerne mit allen und überall in ihrer einzigen Muttersprache sprechen und von den Welschschweizern weiss man es. Aggressivität ist manchmal Anpassung. Was kämpferisch, progressiv und speziell daherkommt ist allzu oft nur derselbe seichte, opportunistische Durchschnitt. Und in dieser Hinsicht passt die Aussage Schawinskis leider gut zu seinen Radioprogrammen.

- Artikel im Tages-Anzeiger

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