Donnerstag, 29. Mai 2008

Kästner, nicht.

Kommando: Erbrecht!
Und sie erbrachen.

Freitag, 9. Mai 2008

m&m's

m: Wenn niemanden interessieren, warum schreiben?
&m: Wenn niemanden interessieren: schreiben, dass niemanden interessieren, dann schreiben!
m: Wenn geschrieben, dass niemanden interessieren, warum interessieren?
&m: Nicht interessieren brauchen, schreiben brauchen!
m: Warum dann schreiben brauchen, dass niemanden interessieren? Warum schreiben, dass niemandem interessieren, wenn niemanden interessieren ob niemanden interessieren? Interessant, dass interessieren verbieten.

Sonntag, 4. Mai 2008

Lateinlehrer S. behält Recht oder: Argumentum ad hominem

Lateinlehrer S. traf einige Jahre später den Vater von Z und fragte ihn, was Z denn so mache. Auf des Vaters Antwort, Z studiere Germanistik und –, begannen die desillusionierten Augen des obsoleten Magisters (dem Spielverlauf entgegen, was aber weder S. noch seine Augen wussten) zu leuchten: “Ich hab's ja gewusst! Ich ha-be-sja-ge-wusst, dass der Z einmal das Latinum brauchen würde!” Zs Vater hatte oft viel zu tun, vielleicht zog es ihn also deswegen weiter, ausserdem hatte er sich ein gewisses Desinteresse dafür, was die Leute so über ihn und die Seinen dachten, antrainiert (denn sie dachten viel und er hatte viel zu viel zu tun, als dass er alles gedachte oder: nach-gedachte berücksichtigen hätte können). Jedenfalls brach Zs Vater die Konversation ab.
Als Z Wochen später bei seinem Vater war (sie hatten sich unterdessen bereits einige Male gesehen) fiel diesem die Episode wieder ein und er erzählte sie seinem Sohn. Z war – besonders wegen dem Ende der Geschichte – unzufrieden, weshalb er sich mit seinem ehemaligen Lehrer S. in Kontakt setzte. Z wolle mit S. zu Erstbezlern zwecks Reklame zu gehen, um, wie Z sich ausdrückte, “von den harten Stunden im universitären Lateinkursus und von dessen bremsenden Auswirkungen auf mein Studium zu erzählen und als schlechtes Beispiel dafür sorgen, dass die Jugendlichen auf den guten Weg geraten und sich für das Latein entscheiden.”
Der von dieser Idee vollends begeisterte und wohl auch von der Rede des durch den Lateinkursus offenbar geläuterten Z gerührte Lehrer S. setzte sogleich ein Datum für einen Besuch an der Bezirksschule in W. an. Die Bezirksschüler in W. galten als besonders latinophob (Lateinlehrer S. bevorzugte den Ausdruck faul), weswegen S. gedachte, die Bussrede des reumütigen Z gleich dort zur Premiere kommen zu lassen. Im Folgenden eine Skizze der Rede Zs in W.
Grüss euch, liebe Kinder, Z mein Name, angehender Germanist, worauf ich mich sehr freue und worüber ich doch auf eine Art stolz bin, interessantes Studium, gute Aussichten in der Marketing-Branche, alleweil, obwohl nicht mehr so rosig wie auch schon, aber das hat ja noch Zeit für euch, heute bin ich gekommen um euch vor allem eines nahegelegt zu haben (nicht dass jemand behaupte, es wäre ihm nie gesagt worden): Belegt Latein! – denn wer heute nicht Latein belegt, der wird es später dann tun müssen, an der Universität, ihr seid die Elite, ihr werdet studieren und die allermeisten Studiengänge bedingen nun einmal nach wie vor ein Latinum. Es bringt gar nichts, über den Sinn des Obligatoriums zu philosophieren, im Gegenteil, das philosophieren steht euch nur im Weg, auch (ja gerade dann,) wenn ihr mal Philosophie (wie ich, beiläufig, als Minor) studieren mögen werden tut. Glaubt es mir, wenn ihrs dem Herrn S. nicht glaubt, er hat nur euer bestes Interesse am Herzen, das mag neudeutsch klingen, liegt aber gerade daran, dass ich mein Latein erst so spät nachgeholt habe und deshalb sprachlich so vollkommen unbegabt bin. Hätte ich doch nur... Ach, für mich ist es zu spät, aber ihr...! Mehr habe ich nicht zu sagen, hat wer noch Fragen, bitte innerhalb vom dargelegten Rahmen.
Als sie die Bezirksschüler verlassen hatten, dankte Lateinlehrer S. dem Z und fragte ihn, bei welchem Dozenten er denn den Lateinkursus belegt habe, worauf der Z ins Stottern kam und auswich. Dies erstaunte Lateinlehrer S. nun aber doch sehr, denn als vergesslich oder mundfaul hatte er den Z eigentlich nun doch nicht in Erinnerung. S. fragte Z noch nach der Abschlussprüfung und nach weiteren Details, bekam aber nur ungefähre Antworten – er erklärte sich dies mit Zs offensichtlicher Aufgewühltheit nach dieser eigentlichen Bussrede. Dann trennten sich ihre Wege. Lehrer S. wurde bald darauf pensioniert und hatte ein ziemlich schönes Altphilologenrentnerleben: ein geselliges, aber nicht zu geselliges Leben, in eigentlicher Zurückgezogenheit, obwohl er ab und an von der lokalen Postille, von Einzelpersonen oder Vereinen wegen einer altphilologischen Expertise angefragt wurde, ein Leben zwar ohne nennenswertes Glück, aber auch ohne all zu viel Unglück. Über Zs weitere Karriere erfuhr er nichts Weiteres.

Und die Moral aus der Geschicht: – Nicht!?

Freitag, 2. Mai 2008

Perlen: Kurt Imhof "Wer ist bürgerlich"

Diesen Text habe ich am 20. Oktober 2007, am Tag seiner Veröffentlichung, zum ersten Mal und seither schon ein weiteres Dutzend Mal gelesen. Wichtig an ihm ist vor allem eines: er ist nützlich. Es ist natürlich aber gerade dies auch das, was ihn unnütz macht, denn für jeden ist er aus einem anderen Grund nützlich.
Die nationalen Wahlen, auf welche hin dieser Artikel geschrieben wurde, sind schon mehr als ein halbes Jahr vorbei. Dieser Text ist aber noch aktueller als damals. Es handelt sich um Kurt Imhofs Artikel "Wer ist bürgerlich", veröffentlicht in "Das Magazin" 42/2007, abrufbar im Internet auf dasmagazin.ch. Es handelt sich um die Demaskierung des "bürgerlich"-Diskurses, welcher in der schweizerischen Politik im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer mehr Einfluss genommen hat und welcher jetzt, im 21. Jahrhundert, nach wie vor die politische Landschaft bestimmt, obwohl die Rollen sich, was Imhof meiner Meinung nach brilliant darstellt, längst vertauscht haben. Die Namen hingegen sind geblieben.
Enttarnung von Diskursen, holistische Erklärungen der schweizerischen Politiklandschaft, 'What's Fair is Foul'-Momente: Beste Voraussetzungen für eine herrliche Lektüre.

Caran d'Ache und Diskurstheorie

Mein 'liebstes Schreibwerkzeug', wie ich es mit einer gesunden Portion Affektiertheit ausdrücke, ist ein Caran d'Ache Fixpencil 22 Metal. Es handelt sich um einen Minenhalter aus Metall mit einem Spitzer im abnehmbaren Kopf.
Letzten Sonntag ass ich bei meiner Grossmutter einen Brunch (it's breakfast with booze!), anwesend waren ein Dutzend Flicken unserer Patchwork-Familie, Anlass war das Nachfeiern Utis Geburtstages. Mein Grossvater, ihr Mann, starb vor vierzehn Jahren. Uti lebt noch immer in ihrer letzten gemeinsamen Wohnung, hat aber jedes Andenken an ihn aus den Räumlichkeiten verbannt, obwohl man damals, wie sie zu sagen pflegt, noch aus Liebe heiratete - oder eben darum. Als ich sie (der Anlass dazu kam meiner Erinnerung unterdessen abhanden) nach etwas zu schreiben fragte, verwies Uti mich an einen Stifthalter. Mit dem ersten Griff förderte ich einen Caran d'Ache Fixpencil 22 (-) zutage.
Was nun, wie ich Uti schon zu erklären versuchte, der einzige signifikante Unterschied zwischen meinen Fixpencil 22 Metal und Ätis (unterdessen zu meiner grossen Freude an mich übergegangenen) Fixpencil 22 (-) ist, - nun, die Farbe des Spitzers haben Äti und ich beide rot gewählt, nur - meiner ist aus Plastik.